Genetische Einblicke in Unfruchtbarkeit und hormonelle Gesundheit
Eine Studie findet genetische Zusammenhänge zu Unfruchtbarkeit und Fortpflanzungshormonen.
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Inhaltsverzeichnis
Unfruchtbarkeit ist ein häufiges Problem, das viele Paare weltweit betrifft. Sie wird definiert als die Unfähigkeit, nach 12 Monaten regelmässigem ungeschütztem Sex schwanger zu werden. Studien zeigen, dass etwa eines von sechs Paaren von Unfruchtbarkeit betroffen ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und beinhalten Faktoren wie Alter, Genetik und Umwelt. Zum Beispiel kann die Qualität und Quantität von Spermien und Eizellen mit dem Alter abnehmen. Ausserdem können bestimmte Gesundheitsprobleme wie Infektionen und spezifische genetische Störungen auch eine Rolle spielen.
Trotz der Untersuchung dieser Faktoren bleibt die genaue Ursache der Unfruchtbarkeit bei vielen Paaren unklar. Tatsächlich zeigen Studien, dass etwa 28% der Paare und 40% der Frauen mit Unfruchtbarkeit keine klare Erklärung für ihren Zustand haben. Aktuelle Behandlungen wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) können körperlich und emotional herausfordernd sein und zudem teuer für Paare und Gesundheitssysteme. Daher besteht ein dringender Bedarf, ein tieferes Verständnis für die Biologie der Unfruchtbarkeit zu gewinnen.
Zustände, die die reproduktive Gesundheit von Frauen betreffen, wie Endometriose und das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS), machen einen grossen Teil der Unfruchtbarkeitsfälle bei Frauen aus. Insbesondere PCOS ist mit bis zu 80% der Fälle verbunden, in denen Frauen nicht ovulieren. Hormonelle Ungleichgewichte und Fettleibigkeit, oft zusammen mit diesen Bedingungen, können zur Unfruchtbarkeit beitragen. Allerdings ist wenig über die genetischen Faktoren bekannt, die die reproduktiven Hormone und die Unfruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen beeinflussen.
Wir haben Daten aus verschiedenen Quellen, einschliesslich Gesundheitsakten und Selbstberichten, mit über 1 Million Teilnehmern gesammelt, um eine umfassende Studie über die genetischen Aspekte der männlichen und weiblichen Unfruchtbarkeit durchzuführen. Wir haben auch die genetischen Faktoren untersucht, die die reproduktiven Hormone beeinflussen. Unser Ziel war es, gemeinsame und seltene genetische Faktoren zu identifizieren, die zur Unfruchtbarkeit und zu den Hormonspiegeln beitragen, und bestimmte Gene für weitere Forschungen zu priorisieren.
Wichtige Erkenntnisse zur Genetik der Unfruchtbarkeit
In unserer Studie haben wir uns auf verschiedene Arten von weiblicher Unfruchtbarkeit konzentriert, einschliesslich aller Fälle, die mit anatomischen Problemen, Anovulation (nicht ovulieren) und idiopathischer Unfruchtbarkeit (wo keine bekannte Ursache identifiziert werden kann) verbunden sind. Wir haben auch männliche Unfruchtbarkeit untersucht. Diese Forschung wurde hauptsächlich an Teilnehmern europäischer Abstammung durchgeführt.
Wir haben über 19 einzigartige genetische Standorte identifiziert, die signifikant mit einer Form der weiblichen Unfruchtbarkeit verbunden sind, und zwei, die mit männlicher Unfruchtbarkeit assoziiert sind. Jeder dieser genetischen Standorte hat unterschiedliche Auswirkungen basierend auf seiner spezifischen Population. Zum Beispiel könnten einige genetische Varianten, die mit weiblicher Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen, auch mit breiteren Gesundheitsproblemen verbunden sein.
Eine bemerkenswerte Variante, die wir gefunden haben, heisst rs1964514, die in einem Gen namens PKHD1L1 lokalisiert ist. Diese Variante scheint die Wahrscheinlichkeit, Unfruchtbarkeit zu erleben, zu erhöhen. Eine weitere wichtige Variante, rs61768001, befindet sich in einem Gen namens WNT4, das mit mehreren weiblichen reproduktiven Eigenschaften assoziiert ist. Das deutet darauf hin, dass bestimmte Gene eine bedeutende Rolle in der reproduktiven Gesundheit spielen.
Zusätzlich entdeckten wir einen Zusammenhang zwischen bestimmten Genen und den Hormonen, die die Fortpflanzung regulieren. Zum Beispiel wurde eine Variante in einem Gen namens INHBB mit Unfruchtbarkeit verbunden, die durch ihre Rolle bei der Regulierung der Hormonsekretion beeinflusst wird.
Die Verbindungen zwischen den Bedingungen erkunden
In unserer genetischen Analyse haben wir Verbindungen zwischen Endometriose und Unfruchtbarkeit beobachtet. Es scheint eine starke genetische Korrelation zwischen beiden zu bestehen, was darauf hindeutet, dass einige Fälle von Unfruchtbarkeit tatsächlich mit nicht diagnostizierter Endometriose in Zusammenhang stehen könnten. Das hebt die Bedeutung einer genauen Diagnose und Behandlung solcher Erkrankungen hervor, um potenziell Unfruchtbarkeit zu verhindern.
Wir fanden auch genetische Überschneidungen zwischen Unfruchtbarkeit und Zuständen wie PCOS, was darauf hindeutet, dass gemeinsame genetische Faktoren beide Bedingungen beeinflussen könnten. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass, während einige Fälle von Unfruchtbarkeit möglicherweise von Zuständen wie PCOS stammen, auch andere verschiedene Störungen und Komplexitäten berücksichtigt werden müssen.
Genetische Faktoren und Selektionsdruck
Als wir die Erblichkeit von Unfruchtbarkeit untersuchten, fiel uns auf, dass der Prozentsatz, der der Genetik zugeschrieben wird, relativ gering ist, besonders im Vergleich zu vielen anderen Gesundheitsmerkmalen. Das deutet darauf hin, dass andere Faktoren, sei es umweltbedingte oder verhaltensbezogene, einen bedeutenden Teil der Unfruchtbarkeitsfälle ausmachen könnten. Zudem könnten bestimmte genetische Varianten, die mit Unfruchtbarkeit verbunden sind, von der natürlichen Selektion beeinflusst werden, was ihre Häufigkeit in der Bevölkerung beeinflussen könnte.
Unsere Forschung zu spezifischen genetischen Regionen ergab, dass einige möglicherweise unter positiver Selektion stehen, was darauf hindeutet, dass diese genetischen Varianten in irgendeiner Weise vorteilhaft sein könnten, möglicherweise durch Auswirkungen auf die Gesundheit oder die Immunfunktion. Auf der anderen Seite könnten einige Varianten in der Bevölkerung aufgrund eines balancierten Selektionsprozesses erhalten bleiben, bei dem mehrere Formen eines Gens aufgrund ihrer Vorteile in verschiedenen Umgebungen coexistieren.
Die Rolle der reproduktiven Hormone
Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Studie war die Untersuchung, wie reproduktive Hormone mit Unfruchtbarkeit zusammenhängen. Wir führten separate Analysen für Hormone wie follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Testosteron bei Männern und Frauen durch. Unsere Forschung fand mehrere neue genetische Standorte, die mit diesen Hormonen verbunden sind.
Interessanterweise zeigten eine beträchtliche Anzahl der identifizierten Varianten für Testosteron bei Männern und Frauen gegensätzliche Effekte. Das deutet auf unterschiedliche genetische Grundlagen für die Hormonregulation zwischen den Geschlechtern hin. Wir entdeckten, dass die genetischen Grundlagen von Testosteron bei Männern und Frauen unterschiedlich sind, wobei verschiedene Faktoren zu den Hormonspiegeln beitragen.
Ausserdem, obwohl wir erwarteten, dass es eine starke Verbindung zwischen hormoneller Dysregulation und Unfruchtbarkeit geben würde, deuteten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Beziehung weniger direkt ist. Daher könnte es sinnvoll sein, sich auf spezifische Gene zu konzentrieren, die mit Hormonspiegeln assoziiert sind, anstatt die Hormone selbst zu betrachten.
Der Einfluss von Fettleibigkeit auf Unfruchtbarkeit
Obwohl Fettleibigkeit oft mit Fruchtbarkeitsproblemen in Verbindung gebracht wird, fand unsere Forschung keinen starken genetischen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit auf Bevölkerungsebene. Das widerspricht einigen Erwartungen, da Gewichtsverlust häufig empfohlen wird, um die Fruchtbarkeit zu verbessern. Stattdessen beobachteten wir einige sich überschneidende Beziehungen zwischen Gewicht und spezifischen Arten von Unfruchtbarkeit, was auf komplexere Interaktionen hinweist, die einer genaueren Untersuchung bedürfen.
Unsere Analysen deuteten auf eine bidirektionale Beziehung zwischen bestimmten Arten von abdominaler Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit hin. Das bedeutet, dass Gewicht und Unfruchtbarkeit sich möglicherweise über die Zeit gegenseitig beeinflussen, was einen Kreislauf schafft, der schwer zu managen sein kann.
Der Bedarf an weiterer Forschung
Trotz der Erkenntnisse aus unserer grossen Studie gibt es noch viel über Unfruchtbarkeit zu lernen. Zukünftige Forschungen sollten darauf abzielen, die Rollen spezifischer Gene und Umweltfaktoren zu verstehen, insbesondere im Kontext der reproduktiven Hormone.
Darüber hinaus unterstreichen unsere Ergebnisse die Bedeutung einer genauen Diagnose für Bedingungen wie Endometriose und PCOS, die zu besseren Behandlungs- und Präventionsstrategien für Unfruchtbarkeit führen könnten. Es besteht auch Bedarf an funktionalen Studien, um die biologischen Mechanismen hinter der Unfruchtbarkeit zu erkunden, was entscheidend für die Entwicklung neuer Behandlungen sein könnte.
Ausserdem ist eine weitere Untersuchung, wie verschiedene Gewebe und Zellen im Fortpflanzungssystem zur Fruchtbarkeit beitragen, unerlässlich. Unsere Analyse ergab, dass die Eierstöcke und Hoden keine signifikante Anreicherung für die Erblichkeit von Testosteron oder Unfruchtbarkeit zeigten, was darauf hindeutet, dass die genetischen Faktoren, die die reproduktiven Hormone beeinflussen, komplexer sein könnten als bisher gedacht.
Fazit
In unserer umfassenden Studie über Unfruchtbarkeit und reproduktive Hormone identifizierten wir mehrere genetische Faktoren, die mit diesen Bedingungen assoziiert sind. Wir beobachteten, dass die genetische Grundlage für Unfruchtbarkeit komplex und facettenreich ist, allerdings kann zukünftige Forschung dazu beitragen, die zugrunde liegende Biologie zu erhellen. Durch ein besseres Verständnis und eine genaue Diagnose könnte es möglich sein, Millionen von Menschen zu helfen, die weltweit Herausforderungen mit Unfruchtbarkeit haben.
Wenn wir nach vorne blicken, besteht ein dringender Bedarf, unser Wissen über sowohl genetische als auch nicht-genetische Faktoren, die zur Unfruchtbarkeit beitragen, zu erweitern. Indem wir diese Wege erkunden, können wir die Behandlungsoptionen verbessern und die Ergebnisse für Betroffene von Unfruchtbarkeit erhöhen. Das Zusammenspiel zwischen Genetik, Hormonen und anderen Faktoren ist vielschichtig, und ein tieferes Verständnis dieser Beziehungen wird den Weg für bessere Fruchtbarkeitslösungen in der Zukunft ebnen.
Titel: Genome-wide analyses identify 21 infertility loci and over 400 reproductive hormone loci across the allele frequency spectrum
Zusammenfassung: Genome-wide association studies (GWASs) may help inform treatments for infertility, whose causes remain unknown in many cases. Here we present GWAS meta-analyses across six cohorts for male and female infertility in up to 41,200 cases and 687,005 controls. We identified 21 genetic risk loci for infertility (P[≤]5E-08), of which 12 have not been reported for any reproductive condition. We found positive genetic correlations between endometriosis and all-cause female infertility (rg=0.585, P=8.98E-14), and between polycystic ovary syndrome and anovulatory infertility (rg=0.403, P=2.16E-03). The evolutionary persistence of female infertility-risk alleles in EBAG9 may be explained by recent directional selection. We additionally identified up to 269 genetic loci associated with follicle-stimulating hormone (FSH), luteinising hormone, oestradiol, and testosterone through sex-specific GWAS meta-analyses (N=6,095-246,862). While hormone-associated variants near FSHB and ARL14EP colocalised with signals for anovulatory infertility, we found no rg between female infertility and reproductive hormones (P>0.05). Exome sequencing analyses in the UK Biobank (N=197,340) revealed that women carrying testosterone-lowering rare variants in GPC2 were at higher risk of infertility (OR=2.63, P=1.25E-03). Taken together, our results suggest that while individual genes associated with hormone regulation may be relevant for fertility, there is limited genetic evidence for correlation between reproductive hormones and infertility at the population level. We provide the first comprehensive view of the genetic architecture of infertility across multiple diagnostic criteria in men and women, and characterise its relationship to other health conditions.
Autoren: Samvida Sudheesh Venkatesh, L. Wittemans, D. Palmer, N. Baya, T. Ferreira, B. Hill, F. H. Lassen, M. Parker, S. Reibe, A. Elhakeem, K. Banasik, M. Bruun, C. Erikstrup, B. Aagaard, A. Juul, C. Mikkelsen, H. Nielsen, S. Ostrowski, O. Pedersen, P. Rohde, E. Soerensen, H. Ullum, D. Westergaard, A. Haraldsson, H. Holm, I. Jonsdottir, I. Olafsson, T. Steingrimsdottir, V. Steinthorsdottir, G. Thorleifsson, J. Figueredo, M. Karjalainen, A. Pasanen, B. Jacobs, N. Hubers, Genes & Health Research team, Estonian Biobank Research Team, Estonian Health Informatics Research Team
Letzte Aktualisierung: 2024-03-20 00:00:00
Sprache: English
Quell-URL: https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2024.03.19.24304530
Quell-PDF: https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2024.03.19.24304530.full.pdf
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
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